Leder ABC

1. TECHNOLOGIE

Wenn ein Tier geschlachtet oder erlegt wird, liefert uns die Haut oder das Fell bei sachgemäßem Abzug und richtiger Lagerung einen wertvollen Rohstoff, der durch den Gerber zu Leder oder Pelz veredelt wird. Die Unterschiede zwischen Leder und Pelz sind leicht erklärt: LEDER ist enthaarte und gegerbte tierische Haut, beim PELZ bleibt das natürliche Haarkleid auch nach der Gerbung erhalten.

2. HÄUTE

Wenn auch der Begriff "Fell" im allgemeinen für jede mit Haaren bewachsene Haut zutrifft, so wird in der Gerberei doch nur die Haut kleinerer Tiere so bezeichnet. Bei Rindern ist dagegen die Bezeichnung "Haut" üblich. Die größte Bedeutung als Rohmaterial kommt zweifellos den Häuten der Rinder zu. Im Prinzip kann aus jeder Haut durch geeignete Behandlung "Leder" erzeugt werden. Exoten in diesem Bereich sind sicherlich Karpfen, Lachse, Strauße, Pansen etc..

3. AUFBAU DER HAUT (Histologischer Aufbau)

Im Hautaufbau kann man 3 Hauptschichten unterscheiden:
die Oberhaut (Epidermis) mit etwa 1 % Dickenanteil; die Lederhaut (Corium) mit ca. 85 % Anteil an der Gesamtstärke. Wie schon aus dem Namen ersichtlich ist, wird aus diesem Hautteil Leder hergestellt; die Unterhaut (Subcutis), die die Verbindung der Haut zum restlichen Körper herstellt. Ihr Anteil am Hautaufbau beträgt rund 15 %. Sie wird durch "Entfleischen" vor der eigentlichen Lederherstellung entfernt.

4. LEDERHERSTELLUNG

Aufgaben der Lederherstellung sind:
die Erhaltung der günstigen Hauteigenschaften (Geschmeidigkeit, angenehmer Griff, Atmungsaktivität, Widerstand gegen mechanische Belastung); die Beseitigung unerwünschter Eigenschaften (Fäulnisanfälligkeit der abgezogenen Haut); Verleihung neuer Eigenschaften (Anpassung an Modetrends durch Färbung, Glanzgebung). Diese Aufgaben werden in einer Reihe von verschiedenen Arbeitsprozessen erfüllt, die im folgenden kurz vorgestellt werden.

5. DIE WEICHE

Aufgabe dieses Vorganges ist es, die konservierten Häute in den "ursprünglichen Quellungszustand" zu versetzen (d.h., das durch die Konservierung entzogene Wasser wiederum der Haut zurückzuführen) und von Schmutz und Blutresten zu reinigen. Erst dadurch wird gewährleistet, das die nachfolgenden chemischen Prozesse in gewünschter Weise mit größtmöglicher Geschwindigkeit ablaufen. Heute wird dieser Vorgang in Fässern durchgeführt, wobei zur Beschleunigung des Vorganges "Tenside" (waschmittelähnliche
Substanzen) zugesetzt werden.

6. HAARLOCKERUNG UND HAUTAUFSCHLUSS

Um Leder zu erhalten, müssen die Haare der Haut entfernt werden. Dies geschieht in einem chemischen Prozeß, dem "Äscher". Die enthaarte Haut bezeichnet man als "Blöße". Dieser Aufschluß bewirkt eine Auflockerung des Hautfasergefüges. Dadurch können in späteren Prozessen die Gerbchemikalien leichter in der Haut eindringen und mit der Hautfaser reagieren.

7. ENTFLEISCHEN UND SPALTEN

Dies sind rein mechanische Vorgänge. Beim Entfleischen wird mittels Messerwalze das der Haut nach dem Abzug noch anhaftende Fleisch und die Unterhaut entfernt. Da vor allem Rindshäute eine für die Lederherstellung zu große Dicke aufweisen, müssen die Blößen "gespalten" werden. Dabei werden in einer Maschine durch ein scharfes, umlaufendes Bandmesser die Blößen in "Narbenspalt" und Fleischspalt zerteilt. Beide Spalte werden zu Leder verarbeitet, zum Narbenleder und zum Spaltleder.

8. VORBEREITUNG FÜR DIE EIGENTLICHE GERBUNG

Die Haarlockerung und der Hautaufschluß werden mit Kalk durchgeführt. Dieser Kalk hat sich teilweise in der Haut festgesetzt und muß nun chemisch herausgelöst werden. Man spricht dabei vom "Entkälken". Für besonders weiche Leder muß ein zusätzlicher Hautaufschluß durchgeführt werden. Diesen Vorgang nennt man "Beize".

9. GERBUNG

Nach diesen vielfältigen Vorbereitungsarbeiten kann nun endlich die Umwandlung der Haut in Leder durch die GERBUNG stattfinden.

10. CHROMGERBUNG

Sie wird mit den Salzen des dreiwertigen Chroms durchgeführt und ist heute die weitverbreitetste Gerbart. Die grünlichblau gefärbten Rohleder (wetblues) sind sehr temperaturbeständig und haben eine hohe Reißfestigkeit.

11. ABWELKEN UND FALZEN

Zwar wurden die Häute im Verlauf der Wasserwerkstattarbeiten gespalten, doch genügt diese Dickenkorrektur im allgemeinen nicht, sondern es muß nach der Gerbung in den meisten Fällen eine weitere Dickenkorrektur durchgeführt werden. Dazu werden die Rohleder abgewelkt, d. h., mit einer der Wäschewringe ähnlichen Maschine wird ein Großteil des Wassers mechanisch herausgepreßt. Die so teilweise getrockneten Leder werden mit einer Falzmaschine "abgehobelt" und so auf eine gleichmäßige Dicke gebracht.

12. DIE FÄRBUNG

Soll der gesamte Querschnitt des Leders gleichmäßig durchgefärbt sein, werden die Rohleder in einem Faß mit einer Farbstofflösung behandelt. Diese Farbstoffe haben in der Gerbung die Sammelbezeichnung "Anilinfarben".

13. DIE FETTUNG

Um den Ledern die gewünschte Geschmeidigkeit, aber auch eine Wasserbeständigkeit zu verleihen, werden ebenfalls im Faß wasserlöslich gemachte Fette, sogenannte "Lickeröle" eingearbeitet.

14. DIE IMPRÄGNIERUNG

Spezialleder mit hoher Wasserabweisung werden mit sogenannten "hydrophoben Substanzen" behandelt. Je nach Einwirkung unterscheidet man Oberflächenimprägnierung und Durchimprägnierung.

15. DIE LEDERTROCKNUNG

Die bisherigen Arbeitsvorgänge wurden alle in wässrigen Lösungen, den "Flotten" durchgeführt. Um das Wasser zu entfernen, werden die feuchten Leder entweder kalter oder warmer Luft ausgesetzt. Durch das Trocknen kommt es nochmals zu einer Faserverklebung, die Leder werden wieder hart. Um diese negative Erscheinung zu beseitigen, erfolgt nun

16. DAS WEICHHACHEN DER LEDER

Dies geschieht entweder durch das Walken der Leder in einem Faß ohne Flotte ("Millen") oder durch das "Stollen". Die modernen Maschinen arbeiten mit vibrierenden Hämmern.


17. DIE ZURICHTUNG

umfaßt jene abschließenden Arbeiten der Lederherstellung, die dem Leder sein endgültiges Aussehen und auch die gewünschten Eigenschaften verleihen. Die Zurichtung wird sowohl durch chemische als auch durch mechanische Prozesse durchgeführt. Zu den mechanischen Arbeiten gehören z. B. das Bügeln und das Narbenprägen. Für die chemischen Arbeiten verwendet man "Zurichtmittel". Dazu gehören die Deckfarben, die entweder zum Farbausgleich Egalisieren der oft wolkigen Anilinfärbungen oder überhaupt zum Anfärben der Lederoberfläche dienen. Da diese Deckfarben aus nichtlöslichen Pigmenten bestehen, müssen sie in Bindemittel eingebettet werden. Um diese farbigen Deckschichten elastisch zu machen, enthalten sie auch Weichmacher. Diese abschließenden Deckschichten werden durch Drucken oder Spritzen aufgetragen.

18. LEDER ABC

ANILINLEDER erhält im Faß eine Durchfärbung mit wasserlöslichen Anilinfarbstoffen. Durch das Fehlen einer Deckschicht ist die Hautstruktur deutlich erkennbar.

BLÖSSEN sind Häute und Felle, denen in der Wasserwerkstatt Haare oder Wolle, Oberhaut
(=Epidermis) und anhaftende Fleischteile entfernt werden.

CHROMGARES LEDER wird nur mit dreiwertigen Chromverbindungen gegerbt und
zeichnet sich durch hohe Festigkeit und Temperaturbeständigkeit aus.

CROUPON ist das Kernstück der Großviehhaut nach Entfernung von Bauchteilen und der Halspartie.

ENDZURICHTUNG, FINISH umfaßt die letzten Zurichtarbeiten am Leder, um besondere Eigenschaften zu erzielen (z. B. Glanz, Wasserrestistenz, gleichmäßige Färbung usw.)

FLANKEN sind die Bauchteile der Haut. Sie grenzen den Croupon ein.

FLEISCHSPALT ist die untere Schicht der Haut, die beim Spalten abfällt.

GEDECKTE LEDER erhalten einen deckenden Farb (Pigment)-Auftrag.

GEMILLTE LEDER werden im Faß ohne Flotte weichgewalkt.

GERBEN ist die Umwandlung der verderblichen Häute durch Gerbstoffe in haltbare Leder.

GESCHLIFFENE LEDER haben die oberste Narbenschicht abgeschliffen.

HÄLFTE erhält man durch Teilung einer Großviehhaut entlang der Rückenlinie.

HALS ist der vordere Teil einer Großviehhaut und besteht aus Nacken und Schulter mit oder ohne Kopfpartie.

HECHT ist ein Teil der Großviehhaut nach Abtrennung der Flanken. Er entspricht in der Fläche Croupon und Hals.

IMPRÄGNIERTE LEDER werden durch die Einlagerung verschiedener Stoffe
wasserabweisend gemacht, ohne daß dadurch die typischen Ledereigenschaften verloren gehen.

KOMBINATIONSGERBUNG wird mit zwei oder mehreren Gerbstoffen, z. B.
vegetabilchromgegerbt, durchgeführt.

KORRIGIERTER NARBEN wird durch Abschleifen (Abbuffen) der obersten Narbenschicht erreicht, wobei durch nachfolgende Finisharbeiten die Lederoberfläche neugestaltet wird.

LEDER ist die allgemeine Bezeichnung für gegerbte Häute, deren ursprüngliche
Faserstruktur im wesentlichen erhalten bleibt und durch die Gerbung unverweslich ist. Die Haare können erhalten oder entfernt sein. Leder sind auch Spalte oder Teile der Haut, die vor oder nach der Gerbung abgetrennt wurden.

LOHGARE LEDER werden nur unter Verwendung vegetabiler (pflanzlicher) Gerbstoffe hergestellt. Heute werden fast nur noch Bodenleder auf diese Weise hergestellt.

NACHGERBUNG wird zur Erreichung spezieller Eigenschaften mit bereits gegerbten Häuten durchgeführt, wobei der Nachgerbstoff anderer Natur als der Vor-oder Hauptgerbstoff ist (siehe auch Kombinationsgerbung)

NAPPA ist heute die Bezeichnung für alle sehr weichen, griffigen Narbenleder jeglicher Rohwarenart und für alle Verwendungszwecke.

NARBEN ist das jeder Tierhaut eigene Porenbild, das auf der Außenseite der Haut nach Entfernen des Haar-oder Wollkleides sichtbar wird.

NARBENLEDER ist narbenseitig zugerichtet, wobei die ursprüngliche Narbenschicht voll erhalten ist.

NARBENSCHLEIFEN (angeschliffener Narben) ist ein Arbeitsgang, bei dem die
Narbenschicht durch Abschleifen mehr oder weniger gerauht wird.

NARBENSPALT ist der obere Teil einer gespaltenen Haut.

NUBUK ist ein festes, narbenseitig geschliffenes Kalbs oder Rindsleder mit samtartiger Oberfläche.

PFLANZLICHE GERBUNG wird mit aus Pflanzen gewonnenen Gerbextrakten durchgeführt. (vgl. auch lohgare Gerbung).

PIGMENTZURICHTUNGEN bestehen aus deckenden Farbaufträgen.

PRESSNARBEN sind künstliche Narbenbilder, die auf das Leder aufgepreßt oder geprägt werden. Entweder wird damit eine natürliche Hautstruktur nachgeahmt oder Fantasiemuster verwendet.

RAUHLEDER sind entweder von der Narbenseite (Nubuk) oder von der Fleischseite (Velours) angeschliffene Leder.

ROHRAUT ist die ungegerbte Haut.

SEMI ANILINLEDER ist ein Leder, das unter Mitverwendung von Pigmentfarbstoffen anilingefärbt wird.

SOFTYLEDER ist ein allgemeiner Begriff für sehr weiches und anschmiegsames Leder.

SPALTEN (der Spalt) heißt der Vorgang, bei dem die Haut über die gesamte Fläche in zwei Schichten zerlegt wird. Man unterscheidet Narben und Fleischspalt.

SYNTHETISCHE GERBUNG wird mit chemischen Stoffen (nachgebaute pflanzliche
Gerbstoffe) durchgeführt. Die synthetischen Gerbstoffe wurden vom Österreicher Stiasny entwickelt.

VEGETABILGERBUNG ist gleichbedeutend mit pflanzlichen oder lohgarer Gerbung.

VELOURS ist Rauhleder.

VOLLNARBIGE LEDER haben ihren vollen, natürlichen Narben, wie er nach Entfernen der Haare sichtbar wird. Der Narben wird nicht nachträglich verändert.

WETBLUE ist chromgegerbtes Leder, das nicht weiter zugerichtet wurde und in nassem Zustand behandelt ist. Wet blue ist nur ein Zwischenprodukt.

ZUGERICHTETES LEDER ist solches, das nach der Gerbung verschiedenen chemischen und mechanischen Prozessen unterzogen wird. Durch die Zurichtung erhält man handelsfertiges Leder

19. LEDERLAGERUNG

1) Leder sofort nach Eintreffen auspacken (Besonders wichtig im Winter)

2) Leder mit Narbenseite auf Narbenseite flach auf ein Lagergestell (Holz) hängen.

3) Die Haut soll in der Hals-Schwanzlinie ohne Falten auf dem Gestell gelagert werden.

4) Der Lagerraum soll keine zu großen Temperaturschwankungen aufweisen (ideal 15-20 Grad).

5) Der Lagerraum soll eine Luftfeuchtigkeit zwischen 60% und 70 % aufweisen.

6) Keine direkte Sonneneinstrahlung auf das gelagerte Leder.

20. LEDERPFLEGE

1) Jede Pflege von "EchtLeder" erfordert eine gewisse Sorgfalt. Ein falsches Pflegemittel kann unter Umständen Schaden anrichten!

2) Zur regelmäßigen Pflege von Leder genügt ein Abreiben mit einem weichen WollLappen.

3) Zur gründlichen Pflege empfehlen wir die Verwendung einer handwarmen, schwachen FeinwaschmittelLösung. Man befeuchtet nun einen weichen Lappen mit dieser schwachen Lösung und reibt das Möbelstück damit ab. Diesen Vorgang wiederholt man mit einem Lappen, der mit klarem Wasser befeuchtet wurde. Danach wird mit einem trockenen WollLappen nachpoliert.